„… ihr werdet meine Zeugen sein!“

Das war das Motto des Weltugendtages 2008 im australischen Sydney

Die Weltjugendtagswoche, die in der Begegnung mit dem Heiligen Vater ihren Höhepunkt fand, fasziniert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch ihre Spannung zwischen gebetsreicher Stille und ekstatischem Jubel. Hier zwei Berichte dazu.

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400 PilgerInnen aus dem Bistum Trier unterwegs durch Australien

+++ Zusammen mit den Jugendlichen aus den grenznahen (Erz-)Diözesen Luxemburg und Lüttich waren es annähernd 500 Pilgerinnen und Pilger, die der Einladung des Heiligen Vaters nach Sydney folgten, um mit bis zu 200.000 jungen Menschen von allen Enden der Erde im Juli den Weltjugendtag zu feiern.

Begonnen hat das Abenteuer Down Under für die meisten im australischen Busch, auf der Challenge Ranch, einem erlebnispädagogischen Zentrum der Diözese Broken Bay, zu der es seit dem Weltjugendtag 2005 als Bischof David Walker mit seiner Pilgergruppe das Bistum Trier besuchte, regen Kontakt gibt. Zeit für die Menschen, Zeit für die Natur und Kultur, Zeit für Gott: die Tage auf der Ranch waren ein sehr gelungener Einstieg für intensive und lebendige Begegnungen in den Pfarreien der Diözese Broken Bay, die sich unmittelbar anschlossen. Die jungen Pilgerinnen und Pilger erlebten herzliche Gastfreundschaften und behielten bleibende Eindrücke davon, wie die australischen Katholikinnen und Katholiken zusammen mit ihren christlichen Brüdern und Schwestern anderer Konfessionen in einer multikulturellen und religiös vielgestaltigen Gesellschaft das Zeugnis ihrer Hoffnung ablegen.

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Passend dazu auch das Motto des Treffens: „… ihr werdet meine Zeugen sein!“ Die Weltjugendtagswoche, die in der Begegnung mit dem Heiligen Vater ihren Höhepunkt fand, fasziniert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch ihre Spannung zwischen gebetsreicher Stille und ekstatischem Jubel. Beide Pole dieses großen Glaubensfests leben von der Gemeinschaft und sprechen gerade in ihrem manchmal abrupten Wechsel das Lebensgefühl junger Menschen an, für die sich im Weltjugendtag in besonderer, für sie erlebbarer Weise die eine Kirche als Volk Gottes, als Gemeinschaft von Gläubigen realisiert. So kann sogar Altes neu entdeckt werden: junge Menschen erfahren die „klassischen Formen“ von Beichte bzw. Versöhnungsgespräch als beziehungsreiches und -ermöglichendes Angebot, das ihrer Suche Perspektiven gibt. Die Reise des Bistums Trier war geprägt durch sehr engagierte junge Christinnen und Christen, die zum Teil über Jahre für die Finanzierung der Reise sparen bzw. zusätzlich arbeiten mussten. Begleitet wurden sie bei der Vorbereitung und der Reise von Pfarrern, Ordensgeistlichen oder Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten. Der Weltjugendtag stellt somit einen bedeutenden Motor für die Vergemeinschaftung junger Menschen in und um die Pfarreien dar, deren inhaltlicher Spannungsbogen sich von Weltjugendtag zu Weltjugendtag erstreckt, aber nicht nur bei der reinen Organisation bzw. Vor- und Nachbereitung verbleibt. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen folgen vielmehr ihrem Auftrag, Kirche lebendig und attraktiv zu gestalten, so wie sie sie beim Weltjugendtag erfahren dürfen.

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Damit weisen sie auf eine jugendpastorale Herausforderung hin, der sich im Bistum Trier gerade die Kirchen der Jugend des Bistums, die Jugendkirchenprojekte der Dekanate und Pfarreien, die Ordensgemeinschaften und eine immer lebendiger werdende „Weltjugendtagsgottesdienstszene“ mit Engagement annehmen. Die lebendige Teilnahme an den liturgischen Feiern bis hin zur aktiven Mitgestaltung von Gottesdiensten ist für die Pilgerinnen und Pilger selbstverständlich und wird von ihnen als sehr bereichernd wahrgenommen. Die Sehnsucht der jungen Menschen nach prägenden Gottesdiensterfahrungen fokussiert sich daher oft auf die Großveranstaltungen Weltjugendtag, Katholikentag, … Kann es gelingen, diese Erfahrungen auch im Alltag einer diözesanen Gottesdienstkultur zu ermöglichen? Sicherlich kann von den Weltjugendtagspilgerinnen und -pilgern hierfür eine wertvolle Inspiration ausgehen.

Kirche hat Zukunft

Jugendliche aus dem Bistum begeistert vom Weltjugendtag

+++ Rund 450 Pilger aus dem Bistum Trier und der Euregio haben auf dem Randwick Racecourse in Sydney den großen Abschlussgottesdienst des Weltjugendtages mit Papst Benedikt XVI. gefeiert. Der Gottesdienst war Höhe- und Schlusspunkt der dreiwöchigen Pilgerreise.

Angefangen hat der Australien-Trip für die jungen Christen auf der „Challenge Ranch“ mitten im australischen Busch. In diesem Erlebnis- und Begegnunszentrum der australischen Diözese Broken Bay haben sich alle Pilger aus dem Bistum Trier und der angrenzenden Euregio getroffen, um erst mal Land und Leute, die Natur des Kontinents und die Jugendlichen aus den anderen Gruppen kennen zu lernen. „Gleichaltrige kennenlernen, zusammen Zeit zu verbringen und zu feiern. Die Gemeinschaft ist bombastisch“, schwärmt Daniel Jaax aus Adenau. Leute aus aller Welt habe er kennengelernt, erzählt der 20-Jährige. Beeindruckt haben die Weltjugendtagspilger auch die „Tage der Begegnung“. Eine knappe Woche verbrachten die Trierer, Luxemburger und Lütticher in Familien aus Pfarreien des Bistums Broken Bay entlang der so genannten Central Coast nördlich von Sydney. Die Gastfreundschaft der Australier wird für viele unvergesslich bleiben.

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Ein ganz besonderes Erlebnis hatte die Saarbrücker Weltjugendtags-Freiwillige Susanne Kiefer. Sie war bei der Einfahrt des Papstes in den Hafen von Sydney am 17. Juli mit dabei. Bei der so genannten „Boat-a-cade“ wurde Papst Benedikt XVI. bei seinem Weg auf dem Schiff zum Barangaroo-Gelände in Sydney von rund 100.000 Weltjugendtagspilgern begeistert empfangen.

Begleitet wurde das Schiff des Papstes von zehn weiteren Schiffen, auf denen Ehrengäste und Medienvertreter mitfahren dürfen. Diese Flotte bildete ein Ehrenspalier für das päpstliche Schiff, die „Sydney 2000“. Mit dabei auf einem der Boote war Susanne Kiefer, die als Trierer Freiwillige die Diözese Broken Bay bei der Aufnahme der fast 2000 internationalen Gäste unterstützt hat. „Ich freue mich, dass ich gleich zwei Bistümer bei der Boat-a-cade vertreten darf“, erklärte Susanne Kiefer. Eingeladen zu der „Boat-a-cade“ wurde die 23-jährige Saarbrücker Studentin vom Bistum Broken Bay. „Damit wollen wir uns für das Engagement unserer Freiwilligen bedanken“, erklärte Penny Elsley, Weltjugendtags-Koordinatorin der australischen Diözese. „Ich bin die einzige Saarländerin, die dabei ist“, weiß Susanne mit Stolz auf ihr kleines Heimatbundesland im großen Australien.

Die letzte Nacht verbrachten die Euregio Pilger nach einem Pilgermarsch, unter anderem über die Harbour Bridge, auf dem Randwick Racecourse. Die Jugendlichen waren begeistert von der Vigilfeier mit Hunderttausenden von Kerzen, der Übernachtung im Schlafsack unter freiem Himmel und dem großen Abschlussgottesdienst mit dem Papst. „Das ist einmalig“, schwärmte Eva Kern aus Großmaischeid. Auch die anderen Veranstaltungen des Weltjugendtages und im Vorfeld fand die 20-Jährige „beeindruckend“. Auch Daniel Brendel aus Lebach ist „begeistert“. Vor allem das „Gefühl der Gemeinschaft“ und die spirituellen Erfahrungen während des Jugendtreffens fand er „faszinierend“. „Fantastisch ist auch die Gastfreundschaft der Australier“, lobte Stefanie Geyer aus Adenau die „Aussis“. „Ich liebe die Leute hier total“, zeigte sie sich überwältigt von der Herzlichkeit. Stefan Thiel aus Trier hat vor allem beeindruckt, dass er „ganz viele Leute aus verschiedenen Ländern kennen gelernt“ und mit ihnen gemeinsam Kirche und seinen Glauben erlebt habe. „Ich fahre mit einem gestärkten Geist zurück nach Deutschland“, betonte der 21-Jährige.

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Die Organisatoren zogen ein positives Fazit der Pilgerreise ans andere Ende der Welt. „Es ist eine einmalige Erfahrung, mit so vielen Jugendlichen eine solche Reise gemacht zu haben“, sagte Christian Heckmann, Leiter der Jugendpastoral im Bistum Trier und verantwortlich für die Reise. „Die Jugendlichen haben sich auf diese Pilgerfahrt eingelassen, die weit über eine Urlaubsreise hinausgeht. Im Mittelpunkt stand ein tiefes Einlassen auf die Kultur des Landes und das gemeinsame Feiern des Glaubens.“ Caroline Henz aus Beckingen war von dem Glaubenszeugnis der Vielen bewegt: „Hier kann man erfahren, dass die Kirche lebendig ist und Zukunft hat!“ Christian Heckmann ist sich sicher, dass die Weltjugendtagspilger „reiche kulturelle und spirituelle Erfahrungen“ von Down Under mit nach Hause nehmen. Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters, der die Pilgergruppe begleitete, lobte die Australier: „Wir erfahren hier eine Gastfreundschaft, die überwältigend ist.“ Er freue sich richtig für die Jugendlichen, dass sie so gut aufgehoben seien. „Dieses Treffen mit jungen Menschen aus 170 Nationen ist ein Ereignis, das einfach nur Freude macht“, betonte der Weihbischof. Es sei beeindruckend, wie offen die Jugendlichen über ihren Glauben und ihr Leben sprächen. Dies habe er vor allem bei den drei Katechesen mit den 450 Belgiern, Luxemburgern, Franzosen und Deutschen in Waitara erlebt. „Der Weltjugendtag ist eine gute Gelegenheit, über Themen zu sprechen, die im Alltag oft unter den Tisch fallen“, resümierte der Weihbischof.